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Gesellschaft | Mitarbeiterförderung | 24.08.2017

«Diversity wird bei der JMS gelebt»

Miriam Turbanisch stieg 2012 als Bauführerin bei der JMS RISI ein. Seit 2016 ist sie stv. Leiterin Spezialtiefbau. Im Interview erzählt die 32-Jährige, wie sie die Arbeit in der männerdominierten Baubranche erlebt und mit welchen Massnahmen ihrer Ansicht nach die Bauindustrie für Frauen attraktiver gemacht werden kann.

Miriam Turbanisch in ihrem Büro in Rapperswil-Jona.

Frau Turbanisch, Sie arbeiten seit 2012 im Spezialtiefbau bei der JMS RISI. Wieso haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
Den Anstoss gab mein ehemaliger Geotechnik-Professor. Ein Freund von ihm hatte einen Praktikumsplatz auf der Baustelle Rokin II in Amsterdam zu vergeben. Nachdem ich dort das erste Mal Spezialtiefbauluft schnuppern durfte, war für mich klar, wohin die Reise geht. Ein weiteres Praktikum hat mich in meiner Entscheidung bestärkt.

 

Hatten Sie schon als Kind Interesse an handwerklichen, technischen Dingen?
Ja. In Unterrichtsfächern wie technisches Werken oder geometrisches Zeichnen war ich immer besser als beispielsweise in Kunst oder Handarbeit. Zwar war ich nie die Beste in Mathe oder Physik, aber es lag mir trotzdem besser als Sprachen.

 

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrer Tätigkeit bei der JMS?
Die Abwechslung und dass man nie weiss, was am nächsten Tag auf einen zukommt. Jedes Projekt ist anders, auf seine Art und Weise spannend und man lernt immer etwas dazu – auch wenn es manchmal aus Fehlern ist. Wichtig ist nur, die Fehler nicht zweimal zu machen.

 

Mussten bzw. müssen Sie im Vergleich zu Ihren männlichen Kollegen mehr leisten, um sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen?
Schwierige Frage. «Mehr leisten» ist, glaube ich, der falsche Ausdruck. Es dauert vielmehr etwas länger, bis akzeptiert wird, dass auch ich als Frau weiss, wovon ich in meinem Job rede. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass ein selbstsicher auftretender Mann in einer Sitzung von seinem Projekt berichten kann und es wird genickt und akzeptiert. Ob nun alles richtig ist, was er erzählt hat, sei dahingestellt. Wenn ich als Frau ebenfalls selbstsicher auftretend das Gleiche mache, wird eher hinterfragt. Allerdings finde ich das nicht schlimm. Vielmehr finde ich, dass allgemein öfters hinterfragt und nicht einfach nur genickt werden soll. Aber bitte nicht nur bei uns Frauen.

 

Was sind die gängigsten Vorurteile, auf die Sie als Frau bisher gestossen sind?
Bisher bin ich selten direkt mit einem Vorurteil konfrontiert worden. Natürlich gab es schon einzelne Fälle, in denen meine beruflichen Leistungen wirklich gleichgültig waren Es ging nur ums Prinzip, dass ich eine Frau bin und auf dem Bau nichts zu suchen habe. Solche Fälle kann ich zum Glück an einer Hand abzählen. Ich habe es mittlerweile auch aufgegeben, so jemanden vom Gegenteil überzeugen zu wollen.

Was ich jedoch sehr schön finde ist, dass sich vor allem die eher älteren Semester freuen, eine Frau auf dem Bau anzutreffen. Traurig hingegen ist, dass gerade Männer in meinem Alter öfters Probleme damit haben.

 

Im Jahr 2000 lag der Frauenanteil im Baugewerbe bei nicht einmal zwei Prozent. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe, dass so wenig Frauen in dieser Branche arbeiten?
Ich sehe das Problem in der mangelnden oder fehlenden Ausbildung und Förderung. Als junge Frau entscheidet man sich nicht, in die Baubranche zu gehen, wenn man nicht bereits als Kind oder Jugendliche in Kontakt mit dieser Branche gekommen ist – sei es in der Schule oder im privaten Umfeld.

 

Gibt es bei der JMS-Gruppe Massnahmen zur Förderung der Diversity?
Diversity ist bei der JMS keine «Massnahme» – es wird viel mehr gelebt. Es sind alle Altersklassen, Männer, Frauen und mehrere Nationalitäten vertreten. Ein bunt gemischter Haufen. Schön finde ich, dass die Mitarbeitenden gefördert werden und praktisch jeder, bei entsprechendem Interesse, die Möglichkeit hat, sich weiterzubilden. Wir haben zum Beispiel Jungs, die bei uns temporär als Bohrhelfer angefangen haben und nun unsere Anker- sowie Drehbohrgeräte fahren oder Baustellenchef sind.

 

Wie könnten Unternehmen die Baubranche für Frauen attraktiver machen?
Man sollte stärker auf die Jugendförderung setzen – zum Beispiel spezielle Mädchentage veranstalten. Also nicht nur einen Tag der offenen Tür, sondern gezielt einen Tag auf dem Bau für Mädchen.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die sich für eine Lehre in der Baubranche/bei der JMS-Gruppe interessieren?
Bewerben, reinschnuppern, offen und nicht zu zimperlich sein. Sicher braucht man eine etwas dickere Haut und muss auch mal ein, zwei dumme Witze über sich ergehen lassen. Aber wenn man nicht auf den Mund gefallen ist, ist das halb so schlimm.

 

«Jedes Projekt ist auf seine Art und Weise spannend und man lernt immer etwas dazu»

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