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Umwelt | Biodiversität | 28.06.2017

Gemeinsamer Kampf gegen Neophyten

In der Schweiz breiten sich gebietsfremde Pflanzen, sogenannte Neophyten, immer stärker aus und verdrängen somit zunehmend einheimische Arten. Die JMS setzt sich seit Langem aktiv für deren Bekämpfung ein. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei von Asylsuchenden und Zivildienstleistenden.

Verdrängt zunehmend einheimische Pflanzen: das Einjährige Berufkraut

Optisch ein schöner Anblick, für die Natur jedoch zunehmend eine Bedrohung: das Einjährige Berufkraut, das mit seinen gelb-weissen Blüten an Kamille oder Gänseblümchen erinnert. Ursprünglich wurde es als Zierpflanze aus Nordamerika eingeführt. In den heimischen Gärten ist die bis zu einem Meter grosse Pflanze mittlerweile kaum mehr anzutreffen, dafür umso häufiger in der freien Natur. «Gerade auf Pionierflächen wie Kiesgruben und Baustellen verbreiten sich Neophyten extrem schnell. Damit verdrängen sie zunehmend einheimische Pflanzen», erklärt Urs Fäs, der als Kiesgrubenleiter bei der JMS unter anderem für die Rekultivierung und Renaturierung der Gruben zuständig ist. Von den knapp 600 Neophytenarten in der Schweiz gelten rund 60 als invasiv. Diese zeichnen sich vor allem durch ihre starke und schnelle Verbreitung aus, da ihnen hierzulande natürliche Feinde fehlen. Zudem verursachen sie enorme Schäden: Alleine die Bekämpfungs- und Schadenskosten, welche die Goldrute jährlich verursacht, werden schweizweit auf über 0.5 Mio. Franken geschätzt.

 

Urs Fäs, Kiesgrubenleiter bei der JMS, packt bei der Bekämpfung der Neophyten selbst mit an.

Urs Fäs, Kiesgrubenleiter bei der JMS, packt bei der Bekämpfung der Neophyten selbst mit an.

Zusammenarbeit mit dem Ökobüro

Auch die JMS setzt seit Jahren viel Zeit und Geld für die Bekämpfung dieser gebietsfremden Pflanzen ein. Auf der Kiesgrube Oberluft in der Gemeinde Tuggen erhält sie dabei Unterstützung vom «Büro für ökologische Optimierungen», kurz Ökobüro. «Wir beraten und unterstützen die JMS von der Bestandsaufnahme invasiver Pflanzen über deren Bekämpfung bis hin zur Überwachung», sagt Res Knobel, Geschäftsleiter des Ökobüros.


Unterstützung von Asylsuchenden

Gerade das Jäten von Neophyten sei jedoch eine grosse Sisyphusarbeit, sagt Knobel. Bei dieser aufwändigen Arbeit werden daher häufig Zivildienstleistende und Asylsuchende eingesetzt. «Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen mit Asylsuchenden gemacht», erzählt Res Kobel. «Sie sind stets hochmotiviert bei der Arbeit und erledigen diese sehr effizient.»

 

Samara (l.) und Sunabara (r.) gefällt die Arbeit im Freien.

«Der Einsatz gibt meinem Tag eine Struktur»

Samara ist einer der insgesamt sieben Eritreer, die sich für den Einsatz in der Kiesgrube Oberluft gemeldet haben. Für ihn sei der Arbeitseinsatz auf der Kiesgrube der JMS eine willkommene Abwechslung: «Ich kann etwas Sinnvolles mit meiner Zeit machen und lerne dabei erst noch die Schweiz besser kennen», erzählt der 20-Jährige. Auch Sunabara, der seit rund 20 Monaten in der Schweiz lebt, ist froh über den Einsatz in der freien Natur: «Obwohl die Arbeit anstrengend ist, bereue ich keine Minute, mich für den Einsatz gemeldet zu haben.» Für ihre Arbeit erhalten die Asylsuchenden 30 Franken pro Tag. Das Geld sei jedoch nicht der einzige Anreiz, sagt Samara: «Der Arbeitseinsatz gibt meinem Tag eine Struktur. In der Unterkunft würde ich mich bloss langweilen.»

 

Der Einsatz auf der Kiesgrube ist für die Asylsuchenden eine willkommene Abwechslung.

Bekämpfung zeigt Wirkung

Dass der Einsatz der vielen freiwilligen Helfer auch Wirkung zeigt, bestätigt Urs Fäs: «Vor einigen Jahren hatte es noch unzählige Goldruten auf der Kiesgrube. Mittlerweile findet man diese nur noch vereinzelt.» Durch das Entfernen der Neophyten kann der Bestand jährlich um 10 bis 15 Prozent minimiert werden. Viele Arten könne man jedoch nicht mehr vollständig eliminieren, da sie sich bereits zu stark verbreitet hätten, erzählt Fäs. Dennoch werde man den Kampf gegen die Neophyten nicht aufgeben: «Durch die Bekämpfung der Neophyten ist die Artenvielfalt in der Grube in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Grund genug, die Bekämpfung weiterzuführen.»

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