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Umwelt | Biodiversität | 19.11.2015

Wer eine Grube gräbt, der muss rekultivieren

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Haben Sie gewusst, dass es von der UNO-Generalversammlung zum «Internationalen Jahr des Bodens» erklärt wurde? Grund genug, den Kiesgruben der JMS einen Besuch abzustatten und Kiesgrubenleiter Urs Fäs bei der Rekultivierung des Bodens über die Schulter zu blicken.

Wanderbiotop am Strassenrand einer Kiesgrube von JMS
Da die Zahl an unverbauten Flüssen stark zurückgegangen ist, sind Wanderbiotope in Kiesgruben zu einem wichtigen Lebensraum für seltene Pioniertiere geworden.

Täglich stehen wir darauf. Doch Gedanken darüber machen wir uns selten. Dabei ist er eine lebenswichtige Ressource: der Boden. Nicht nur unsere Nahrung wächst darin, sondern er dient uns auch als Hochwasserschutz, Kohlenstoffspeicher und Grundwasserfilter. «Für ein ausgewogenes, lebensfreundliches Klima ist ein gesunder Boden unabdingbar», sagt Lydia Frey vom St. Galler Amt für Umwelt und Energie.

 

Der Ursprung ist das Ziel
Aus diesem Grund ist die Arbeit von Urs Fäs so wichtig. Er ist seit neun Jahren Kiesgrubenleiter bei JMS und unter anderem auch für die Rekultivierung und Renaturierung der Kiesgruben zuständig. Das bedeutet: Statt eines gähnenden, steinigen Lochs soll die grüne Wiese von früher wieder zum Vorschein kommen. Zudem wird die Vielfalt des Lebensraums gegenüber dem Ausgangszustand vor dem Abbau verbessert.
Dazu wird die Grube zunächst auf den ursprünglichen Stand aufgefüllt. Das Füllmaterial besteht aus mehreren Schichten Erdmaterial.

 

Die Kiesgrube wird gefüllt mit Aushub, Unterboden und Humus

 
Es darf nur sogenannter «sauberer Dreck» eingefüllt werden, der meistens als Aushub von Baustellen anfällt und kein belastetes Material wie Plastik, Eisen oder Beton enthalten darf. Bevor darauf der fruchtbare Humus aufgetragen werden kann, muss eine rund ein Meter hohe Schicht, bestehend aus Erde, Stein und Sand, über dem Aushub verteilt werden. Diese Zwischenschicht wirkt wie ein Schwamm. «Ohne sie könnte das Regenwasser nicht aufgesaugt werden und die Pflanzen in der Humusschicht würden im überschüssigen Wasser verfaulen», erklärt Urs Fäs.

 

Die Natur braucht Zeit
200‘000 bis 250‘000 Kubikmeter Rohkies baut JMS jährlich ab. Als Vergleich: Ein Lastwagen fasst etwa 15 Kubikmeter Kies. «Wir sind uns unserer grossen Verantwortung gegenüber der Natur bewusst und legen viel Wert auf einen schonenden Abbau, eine qualitativ hochstehende Rekultivierung und eine vielfältige Renaturierung», sagt CEO Beat Jud. Bis das Endergebnis sichtbar wird, können bis zu zehn Jahre und mehr vergehen, je nach Grösse des Abbaugebietes. «Man muss sowohl dem Boden wie auch der Natur genügend Zeit geben», weiss Fachmann Fäs. «Wenn die Kuh am Ende wieder auf der Wiese steht, weiss ich, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe.» Bisweilen komme es sogar vor, dass der rekultivierte Boden fruchtbarer sei als zuvor.

 

Die Kiesgrube lebt
Eine Rekultivierung geht meist Hand in Hand mit der Erweiterung des Abbaus: Um weiteres Kies fördern zu können, wird am einen Ende der Grube laufend Boden abgetragen. Gleichzeitig wird die Kiesgrube auf der anderen Seite bereits wieder aufgefüllt und schnellstmöglich rekultiviert.
Eine Kiesgrube verschiebt sich daher stetig. Das macht sie zu einem wertvollen Lebensraum für Pionierpflanzen und -tiere, die auf sogenannte Wanderbiotope angewiesen sind. Wanderbiotope sind früher häufig entstanden, wenn unverbaute Flüsse das umliegende Land kurzzeitig überschwemmt haben. Dabei blieben vorübergehend Wassertümpel zurück, die beispielsweise der in der Schweiz stark bedrohten Gelbbauchunke als Laichplatz dient. Da die Zahl der unverbauten Flüsse stark zurückgegangen ist, wurde dieser Ersatzlebensraum in den Kiesgruben überlebenswichtig. «Diese Wanderbiotope entstehen oftmals auch zufällig», erklärt Urs Fäs. «Zum Beispiel in einem Graben oder in einer Fahrrinne, wenn sich darin Wasser ansammelt.» Extra angesiedelt werden die Pioniertiere nicht, wohl aber vor dem Zuschütten eines Pionierstandortes zuerst in ein Ersatzbiotop umgesiedelt.
In einer Kiesgrube gibt es also weit mehr als Steine zu entdecken. Indem JMS auf Restflächen Pionierstandorte wie Tümpel oder wechselnasse Standorte schafft, bietet sie der besonderen und seltenen Flora und Fauna unverzichtbare Lebensräume. Sogar Uferschwalbenkolonien wurden in den JMS-Kiesgruben schon angetroffen.

 

Kiesgruben besichtigen
Was möchten Sie über die Kiesgruben sonst noch erfahren? Fragen Sie unsere Experten via Kommentarfunktion! Oder nutzen Sie das Angebot der JMS zu einer Besichtigung der Grube mit Ihrem Verein, Ihrer Partei usw. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme unter info@jms.ch.

 

Glossar:

  • Rekultivierung: Die Wiederherstellung des ursprünglichen Bodens in der bisherigen oder besseren Qualität
  • Renaturierung: Die Erstellung von naturnahen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, die als Kompensation für den Eingriff in den Naturhaushalt einen ökologischen Ausgleich schaffen

 

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