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Umwelt | Entsorgung & Recycling | 11.03.2020

Gelebte Nachhaltigkeit: Ein Blick in das Baustoff-Recycling der JMS

Das Bevölkerungswachstum und die rege Bautätigkeit in der Schweiz haben zur Folge, dass zunehmende Mengen an Bauabfällen fachgerecht behandelt werden müssen. Neben der Deponierung von leicht belasteten Bauabfällen hat bei der JMS die Produktion von ressourcenschonendem Recyclingbeton einen immer grösseren Stellenwert.

Bereits beim Rückbau werden die Grundsteine für einen geschlossenen Stoffkreislauf gelegt

Was sind Bauabfälle?
Beim Aushub eines Grundstückes werden Altlasten aus früheren Zeiten entdeckt, alte Strassen müssen erneuert werden oder ein sanierungsbedürftiges Haus wird zurückgebaut. Vom Kunststoffdübel in der Wand bis hin zum Dämmmaterial finden sich die unterschiedlichsten Abfallarten in einem Haus wieder. Es gibt viele mineralische Bauabfälle wie Beton- oder Mischabbruch, Strassenaufbruch und Ausbauasphalt. Zusätzlich fallen bei Rückbauten Materialien wie Ziegel, Holz, Glas und Kunststoffe an. Auch teerhaltige Abfälle, abgetragene Ober- und Unterböden, metallische Abfälle, Gleisaushub sowie asbesthaltige Bauabfälle, Schlämme und Abfälle aus Süsswasserbohrungen werden zu den Bauabfällen gezählt.

Rezyklierbare mineralische Bauabfälle
Mineralische Bauabfälle werden nach dem Rückbau getrennt, damit das Material deklariert und die Abfälle aufbereitet werden können. Die gewonnenen Recyclingbaustoffe werden einer Qualitätskontrolle unterzogen, bevor sie für neue Verwendungsmöglichkeiten freigegeben werden. Doch nicht alle Bauabfälle können dem Stoffkreislauf zurückgeführt werden, weshalb zum Beispiel unverschmutztes Aushubmaterial in Deponien abgelagert wird (siehe Blogbeitrag vom 08.11.2019). Die Rückführung der Bauabfälle in den Stoffkreislauf wird immer bedeutender, damit unsere Rohstoffe geschont werden können. So ist beispielsweise im Linthgebiet das Abbauvolumen für Primärmaterial heute nur noch halb so gross wie im Jahr 2004.

Die im November 2019 veröffentlichte Baustoffstatistik des Kantons St. Gallen zeigt, dass im Jahr 2018 circa 440‘000 Kubikmeter Baurohstoffmaterialien durch Recycling gewonnen werden konnten. Die Wiederaufbereitung von mineralischen Bauabfällen liegt bereits seit zehn Jahren auf einem sehr hohen Niveau, wobei im Durchschnitt rund 90 Prozent der Bauabfälle rezykliert werden. Die beschriebenen Bauabfälle werden zu Beton- oder Mischabbruchgranulat, Recycling-Kiessand und Asphaltgranulat aufbereitet. Das Granulat wird entweder aus rückgebautem Beton oder Mischabbruch hergestellt. Mischabbruch enthält neben Beton auch weitere Materialien wie Ziegel, Platten oder Backstein. Da Beton zu 80% aus Kies und Sand besteht, eignet sich das gewonnene Recyclinggranulat bestens für die Herstellung von Recyclingbeton.

Die mineralischen Stoffflüsse rund ums Bauen beinhalten sowohl die dauerhafte Lagerung in Deponien wie auch die Aufbereitung von recyclingfähigen Bauabfällen. Quelle: Baustoffstatistik Kanton St. Gallen 2018

Baustoff-Recycling beginnt bereits auf der Baustelle
Für den Rückfluss der aufbereiteten Materialien in den Wertschöpfungs-kreislauf ist es wichtig, dass die Bauabfälle sauber getrennt werden. Nur mit sauber aufbereiteten Materialien kann eine hohe Qualität erreicht werden, die eine ebenso gute Beschaffenheit wie Primärmaterial aufweist. Dies ist sowohl für die Nachhaltigkeit wie auch für die Akzeptanz auf dem Markt zentral.

Damit beim Rückbau sauber aufbereitetes Material gewonnen werden kann, ist für die Baustoffaufbereitung eine enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden auf den Baustellen unabdingbar. Seit 2009 konnte der Anteil von Primärrohstoffen in den Recyclingprodukten stetig reduziert werden, was unter anderem auf die sortenreine Trennung der Bauabfälle zurückzuführen ist.

Rückbau und Trennung der Baumaterialien einer abgebrannten Industriehalle

Nachhaltigkeit und mineralisches Baustoff-Recycling bei der JMS
Ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen, die Rückführung von Wertstoffen in den Stoffkreislauf sowie die Einsparung von unnötigen Fahrten gehören seit jeher zu unserer Firmenphilosophie. Unser Credo «Werte schaffen» – und dies über Generationen – setzt einen klaren Fokus auf die Nachhaltigkeit. So arbeiten wir stetig an der Optimierung unserer Prozesse und unserer Produktion, wobei die Reduktion von CO2-Emmissionen einen besonderen Stellenwert geniesst.

Ein aktuelles Beispiel für nachhaltiges Handeln ist die Anschaffung von Depotbändern im Kieswerk Grynau. Dank dem Bau der Depotbänder im Herbst 2019 können interne Platzfuhren minimiert werden, wodurch sich der Dieselverbrauch und somit der CO2-Ausstoss deutlich reduziert. Diese Einsparung spiegelt sich direkt in der CO2-Bilanz des Betons wieder.

Weiter ist es der JMS in den letzten fünf Jahren gelungen, die Nutzung von Recyclingmaterial zu verdoppeln. Dabei findet sich der Grossteil der rezyklierten Wertstoffe im Beton wieder.

Die in Betrieb genommenen Depotbänder im Kieswerk Grynau sorgen für CO2-Einsparungen

Recyclingmaterial und dessen Akzeptanz
Ob und welcher Recyclingbeton eingesetzt werden kann, beruht auf der Eignung des Materials für das jeweilige Endprodukt. Da Mischabbruchgranulat Schwankungen in der Kornzusammensetzung aufweist, wird dieser Beton insbesondere im Tiefbau verwendet, um beispielsweise die Baugrube sauber zu halten. Bei Bauteilen mit einer tragenden Funktion spielen hingegen die Verarbeitung, Festigkeit wie auch Verformung (E-Modul) eine wichtige Rolle, weshalb hier Betongranulat zum Einsatz kommt.

Da sich die Akzeptanz von Recyclingbaustoffen erst langsam durchsetzt, setzen wir uns bei den Kunden proaktiv für dessen Verwendung ein. Sei es durch Gespräche, direkte Materialvergleiche oder den Einsatz von Recyclingmaterial in unseren eigenen Bauten: Wir setzen einen klaren Fokus auf die Wiederverwertung.

So schaffen wir nicht zuletzt auch preisliche Anreize beim Recyclingbeton. Obwohl die Aufbereitungskosten für Recyclingbeton etwa gleich hoch sind wie die Kosten für Beton aus Primärkies und dem Recyclingbeton ein höherer Zementgehalt beigefügt werden muss, haben wir den Preis deutlich unter jenem des Primärbetons angesetzt. Auch beim Zement wird auf die Nachhaltigkeit geachtet, indem wir «ECO Zement» mit reduzierter CO2-Bilanz verwenden. Somit fördern wir die Attraktivität des Betons. Denn auch wenn dies kurzfristig einen Verlust bedeutet, glauben wir daran, dass dadurch langfristig für Generationen Werte geschaffen werden können.

Vorreiterrolle beim Einsatz von Recyclingmaterial
Viele Aufträge werden von der öffentlichen Hand vergeben, wobei schweizweit unter den Kantonen massive Unterschiede herrschen. So nimmt der Kanton Zürich eine Vorreiterrolle in der Nutzung von Recyclingmaterial ein. Er setzt einen Fokus auf die Schonung der Ressourcen, indem er bei der Vergabe von Arbeiten auf den Einsatz von Recyclingprodukten achtet. So wurden in der Stadt Zürich bereits viele öffentliche Gebäude mit Recyclingbeton gebaut, was auch das Vertrauen in diesen Beton bei den Architekten und Planern fördert. Allerdings sind noch nicht alle Kantone soweit. Erwin Schmucki, Betriebsleiter der Beton AG Etzel+Linth, zählt klar auf die Kantone: «Es wäre wünschenswert, würden auch andere Kantone den Recyclingbeton aktiver fördern. Teilweise wird Recyclingbeton bei öffentlichen Aufträgen bereits verwendet.» Ein stärkerer Fokus auf die Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch klare Anforderungen in den Bewilligungsverfahren oder auch in Auftragsvergaben sei deshalb ein Muss. Erwin Schmucki ergänzt: «Wir arbeiten bereits heute daran, die Prozesse und somit den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss zu reduzieren, jedoch steht und fällt alles damit, ob die Produkte bestellt und verwendet werden».

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