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Umwelt | Digitalisierung | 03.12.2018

Baustelle 4.0: JMS setzt auf Tablets

Seit zwei Jahren setzt die JMS-Gruppe zur digitalen Verarbeitung von Baustellen-Daten auf Tablet-Computer. Damit möchte die Unternehmensgruppe insbesondere den Austausch zwischen den Standorten und den Baustellen weiter vereinfachen.

 

Im Frühjahr 2016 hat die JMS-Gruppe gemeinsam mit ihrem IT-Partner Informaticon AG die Entwicklung und Umsetzung einer neuen Applikationslandschaft zur digitalen Rapportierung der Baustellen-Daten gestartet. «Ziel ist es, einen einzigen Datensatz quer durch alle Abteilungen nutzen zu können», erklärt Corvin Hagen, CFO der JMS-Gruppe, die Gründe für die Einführung des Systems.

 

Das Projekt zur Betriebsdatenerfassung (BDE) ist in drei Teilbereiche unterteilt und wurde bei der JMS-Gruppe gestaffelt eingeführt:

 

BDE 1: Digitaler Baustellentagesrapport

Die Einführung von BDE 1 erfolgte schrittweise: Ab Dezember 2016 wurde mit den Polieren in Baar ein Testbetrieb aufgenommen, im Oktober 2017 erfolgte die Migration in die produktive Systemlandschaft und anschliessend der Rollout in Schmerikon, welcher im Januar 2018 abgeschlossen wurde. Der digitale Baustellentagesrapport ist das digitale Ebenbild des bisherigen analogen Baustellentagesrapportes. Inhaltlich geht es um die Erfassung und damit Rapportierung der auf der Baustelle eingesetzten Ressourcen zuhanden des Bauführers. Dies betrifft Daten wie: ‘welche Mannschaft’, ‘welche Materialien’ und ‘welche Geräte’ kommen ‘wie lange‘ für ‘welche Arbeit‘ zum Einsatz.

 

BDE 2: Digitale Spezialtiefbau-Protokollierung

BDE 2 bezeichnet die Digitalisierung der Bohr- und Rammprotokolle. Die Protokolle enthalten die technischen Daten zu unseren Produkten im Spezialtiefbau, wie beispielsweise Informationen zur Tiefe der Bohrung, dem Bodenaufbau, der eingebauten Bewehrung sowie zur Menge des verbauten Betons. Sie sind damit nicht nur Leistungsnachweis, sondern auch ein zentrales Element in der Qualitätssicherung. Das Projekt wurde Anfang 2018 injiziert und bis heute über weite Teile bereits umgesetzt. Der Abschluss des Projektes ist Anfang 2019 zu erwarten.

 

BDE 3: Digitale Arbeitszeiterfassung und Maschinenbucheinträge

BDE 3 stellt die digitale Erfassung der Personal- sowie der Maschinenstunden dar. Ziel ist es, in Zukunft die persönlich geleisteten Arbeitszeiten von jedem einzelnen Mitarbeitenden sowie sämtliche Einträge ins Maschinenbuch digital zu erfassen. Das Projekt wurde aus zwei Gründen zeitlich zurück gestellt: Zum einen kann für die Automatisierung der Administration bereits auf die Daten aus dem BDE 1 abgestützt werden, zum anderen entwickelt die Informaticon AG aktuell zusammen mit einem Mitbewerber die Umsetzung der Mitarbeiterstunden-Rapportierung. Zu einem späteren Zeitpunkt kann also auf eine bestehende Software zurückgegriffen werden und es muss weniger Eigen-Entwicklungsaufwand betrieben werden.

 

Ein Samsung Galaxy Tab S2 mit Tastatur und Maus im Einsatz auf der Baustelle.

JMS mit Verlauf zufrieden

«Wir sind noch nicht am Ziel aber mit dem Erreichten bisher sehr zufrieden. Die Vorteile sind umfassend und müssen auch als Ganzes beurteilt werden: Wir beschleunigen den Informationsfluss von der Baustelle zum Bauführer erheblich und haben gleichzeitig die Daten für die Administration in digitaler und vom Bauführer freigegebenen Form zur Verfügung. Damit ist die zentrale Voraussetzung für die Automatisierung im Büro gegeben. Daneben können diese Daten auch ausgewertet werden, was die Bauführer beim Ausmessen unterstützt.

 

Eine neue, digitale Lösung heisst, mit der Zeit zu gehen. Dies ist auch eine Visitenkarte und damit Werbung für uns als Arbeitgeber. Die digitale Baustelle bietet aber auch den Vorteil, dass die digitalen Daten direkt auf der Baustelle gelesen werden können. So hat jede Baustelle, als Folge dieses Projekts, ganz nebenbei E-Mail-Empfang und ein Endgerät, um digitale Dokumente öffnen und lesen zu können. Da Pläne tendenziell immer später und gleichzeitig mit vielen Nachträgen und Versionen zur Verfügung stehen, ist dies ein wichtiger und nötiger Schritt – quasi gratis dazu im Nebenprodukt.

 

Zu guter Letzt hat gerade BDE 2 dazu geführt, dass die Standorte Schmerikon und Baar einheitliche Bohr- respektive Rammprotokolle verwenden und die Bauführer zur Kontrolle und Freigabe die gleichen Prozesse durchlaufen. Letzteres ist von steigender Bedeutung, da der Austausch von Personal und Inventar zwischen den Standorten Baar und Schmerikon je länger je mehr zunimmt. Zusammengefasst ist es der erste aber noch nicht der letzte Schritt in die Zukunft.», erklärt Corvin Hagen überzeugt.

 

Tablets erleichtern den Alltag

Doch nicht nur die Geschäftsleitung zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf des Projektes zufrieden. «Die Tablets sind eine grosse Erleichterung, sowohl für die Mitarbeitenden auf den Baustellen als auch für uns im Büro», sagt Adrian Husner, Projektleiter/Bauführer bei der JMS-RISI.

 

Gemäss Husner laufe das Projekt insgesamt gut, doch gebe es noch ein paar kleinere Schwachstellen, die zu beseitigen seien. «Schwächen tauchen teilweise noch in der Datensynchronisation unserer rund 35 Endgeräte auf. Ausserdem funktioniert die Datenverbindung über das Mobilfunknetz nicht immer optimal.» Gemeinsam mit Informaticon AG sei man aber dabei, Lösungen dafür umzusetzen.

 

Dies bestätigt auch Samys Rusterholz, Grundbauer bei der JMS-RISI: «Grundsätzlich denke ich, dass die Geräte künftig einige Vorteile mit sich bringen werden. Gegenwärtig steckt das Projekt aber sicherlich noch in einer Art ‘Probezeit’, bis die letzten Kinderkrankheiten ausgemerzt sind, und hat Potenzial für weitere Verbesserungen.»

 

Corvin Hagen (oben links), Adrian Husner (oben rechts), Marcel Kessler (unten links) und Samys Rusterholz (unten rechts).

Mitarbeiter im Wandel der Zeit

Die direkten Anwender der Tablets, die Mitarbeitenden der JMS-Gruppe vor Ort auf den Baustellen, zeigen sich mit der Verwendung der Geräte grundsätzlich zufrieden. Dennoch decken deren Meinungen darüber ein breiteres Spektrum ab.

 

«Die Meinungen der Mitarbeitenden zu den Geräten sind sehr vielfältig und reichen von ‘sehr zufrieden’ bis zu ‘eher schlecht’. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass für die Mitarbeitenden auf den Baustellen hauptsächlich der optische Aspekt einer sauberen und klarstrukturierten Darstellung zum Zuge kommt und diese von der Datenauswertung im Hintergrund nicht immer alles mitbekommen. Doch genau diese Datenauswertung kommt den Mitarbeitenden auf der Baustelle letztlich wieder zugute, da sie viele Parameter nicht mehr selbst ausrechnen müssen und sie wichtige Informationen direkt auf ihren Geräten einsehen können», so Adrian Husner.

 

Samys Rusterholz erklärt sich das breite Meinungsspektrum seiner Arbeitskollegen mit kleineren Hardware-Schwierigkeiten. «Mit der verwendeten Hardware-Lösung an sich bin ich noch nicht ganz zufrieden. Ich habe deshalb von meinem Arbeitgeber beispielsweise eine neue Maus und Tastatur bekommen, um besser mit den Geräten arbeiten zu können.»

 

Kleinere Schwierigkeiten in der Anwendung

Eine weitere Ursache, für die eine oder andere kritischere Stimme bei den Mitarbeitenden, ist laut Marcel Kessler, Bauführer Klein- und Grossbohrungen bei der JMS-RISI, in der Anwendung von digitalen Hilfsmitteln an sich zu finden. «Die Mitarbeitenden vor Ort sind mit den Tablets grösstenteils zufrieden. Einzig ältere Mitarbeitende haben hin und wieder ein wenig Mühe mit den Geräten. Das ist aber normal und wird diesen durch die kontinuierliche Anwendung mit der Zeit auch einfacher von der Hand gehen.»

 

Grundbauer Samys Rusterholz zeigt Verständnis für die kritischen Stimmen seiner älteren Arbeitskollegen. «Heute wird vieles einfach digitalisiert – egal ob man das möchte oder nicht. Für mich persönlich spielt die Verwendung der Tablets momentan noch gar keine allzu grosse Rolle, denn die Arbeit ist grundsätzlich dieselbe geblieben. Anmerken möchte ich aber auch, dass die Geräte mit der Zeit immer ausgereifter wurden und beispielsweise anfängliche Verbindungsprobleme in der Zwischenzeit behoben werden konnten.»

 

Marcel Kessler stellt klar: «Die Vorteile liegen auf der Hand. Vor allem der Informationsaustausch wird durch die Geräte um ein Vielfaches beschleunigt. Lange Hin- und Rückfahrten auf die Baustellen zum Datenaustausch werden damit überflüssig. So tragen wir auch zu einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen bei.»

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