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Umwelt | Nachhaltigkeit | 08.11.2019

Nachhaltiges Deponiemanagement – der Umwelt zuliebe

Im Kanton St. Gallen fallen jedes Jahr rund 1,3 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial und 200’000 Kubikmeter Inertstoffe an. Das entspricht dem Gewicht von rund 5’000 Flugzeugen des Typs Airbus A380.

Deponie für sauberes Aushubmaterial Typ A. Bild: Deponie Steigriemen Gommiswald/Kaltbrunn

Was ist Aushub – und was sind Inertstoffe?
Aushub ist sauberes, natürliches Erd- und Steinmaterial, welches zum Beispiel beim Bau eines Einfamilienhauses, einer Gewerbeliegenschaft oder eines Schulhauses anfällt. Bei Naturereignissen kann eine Strasse verschüttet oder ein Dorf durch ein Hochwasser heimgesucht werden. Bei all diesen Beispielen gibt es unverschmutztes Material, das abtransportiert und irgendwo abgelagert werden muss. Dieses Aushubmaterial wird als «Typ A» klassifiziert.

Wird eine Strasse saniert oder vor dem Bau eines neuen Hauses ein altes abgebrochen, fällt ebenfalls Material an. Dieses Material kann nicht in allen Fällen rezykliert werden, sodass Bauabfälle entstehen, die deponiert werden müssen. Das sind sogenannte Inertstoffe – oder leicht belastete Bauabfälle. Diese Inertstoffe werden als «Typ B» klassifiziert. Es sind ungefährliche Abfälle, welche ohne Vorbehandlung dauerhaft deponiert werden können.

Aushub- und Inertstoffe werden in Deponien oder Materialabbaustellen abgelagert. Dies sind zum Beispiel Kiesgruben oder Steinbrüche.

Entstehung von Bauabfällen durch Rückbau. Bild: ehemaliges Stoffel-Areal (Cosentino), Schmerikon

Gibt es genügend Deponiestandorte?
Durch die rege Bautätigkeit, die unter anderem auf das anhaltende Bevölkerungswachstum zurückzuführen ist, nimmt der Bedarf an Deponievolumen stetig zu. Das Problem: Im Kanton St. Gallen stehen für die Entsorgung von unverschmutztem Aushubmaterial und insbesondere von Inertstoffen zu wenig Abbaustellen beziehungsweise Deponien zur Verfügung.

Auch in der Region ZürichseeLinth herrscht seit langem eine regelrechte Notlage. Die nächst gelegene Deponie für die Ablagerung von Inertstoffen befindet sich im glarnerischen Filzbach. In den letzten Jahren haben Bauunternehmen aus dem Linthgebiet leicht belastete Bauabfälle unter anderem dort hin gebracht. Weil die Deponie fast voll ist, wird in Filzbach seit einiger Zeit aber kein ausserkantonales Material mehr angenommen.

Das führt zur umweltbelastenden Situation, dass Lastwagen aus der Region ZürichseeLinth mit ihrer Fracht Richtung St. Gallen, Frauenfeld oder Winterthur fahren – wo im Moment noch abgelagert werden darf.

Die problematische Situation in der Region ZürichseeLinth könnte aber behoben werden. Im Gebiet Sonnenfeld in Ermenswil wird seit den 1970er-Jahren durch die Schmucki Kies + Tiefbau AG, die seit 2008 zur JMS-Gruppe gehört, Kies abgebaut und unverschmutztes Aushubmaterial deponiert. Nun bestehen Pläne, den ursprünglichen Abbau direkt anschliessend zum heute bestehenden Werksareal im Sonnenfeld nach Osten hin zu erweitern. Dabei soll zuerst Kies abgebaut werden und anschliessend unverschmutztes Aushubmaterial und auch Inertstoffe deponiert werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Abhilfe: Auf dem Werksgelände der Schmucki Kies + Tiefbau AG in Ermenswil könnte bald eine Deponie entstehen. Bild: Deponie Typ A, Steigriemen Gommiswald/Kaltbrunn

Wer ist für die Deponieplanung verantwortlich?
Das Gebiet Sonnenfeld ist im kantonalen Richtplan seit Mitte der 1990er Jahre als Deponiestandort definiert. Der Richtplan ist das behördenverbindliche Führungs- und Koordinationsinstrument der Raumplanung und wird durch die Regierung erlassen. Damit werden die Rahmenbedingungen für die räumliche Entwicklung des Kantons St. Gallen festgelegt.

Gemäss Abfallverordnung des Bundes sind die Kantone verpflichtet, eine Abfallplanung zu erstellen und die vorgesehenen Standorte im Richtplan auszuweisen. Der Kanton muss dabei sicherstellen, dass genügend Deponiestandorte vorhanden sind und trägt damit die Verantwortung für die Suche nach neuen Standorten. Die Wirtschaft ihrerseits ist gefordert, sich aktiv an dieser Suche nach Deponiestandorten für unverschmutztes Aushubmaterial und für Inertstoffe zu beteiligen, diese zu planen und zu betreiben.

Die Abklärungen für geeignete Deponiestandorte koordiniert der Kanton mit den entsprechenden Regionen. Ansprechpartner im Linthgebiet ist die Region ZürichseeLinth, der Verbund der politischen Gemeinden im Wahlkreis See-Gaster. Die Region ZürichseeLinth setzt sich für eine nachhaltige Regionalentwicklung ein und befasst sich mit Aufgaben, die eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit erfordern. Zu diesen Aufgaben gehört auch die Deponieplanung.

Im Jahr 1995 haben die Gemeinden der Region ZürichseeLinth im Rahmen der Regionalplanung gemeinsam umfangreiche Standortabklärungen getroffen. Dabei wurden die geologischen Gegebenheiten ebenso berücksichtigt, wie die raumplanerischen Voraussetzungen. Als Resultat der Abklärungen hat die Region gegenüber dem Kanton den Standort Sonnenfeld sowie drei weitere Standorte vorgeschlagen, wobei die anderen drei Standorte inzwischen verbaut beziehungsweise anderweitig aufgefüllt sind. Aufgrund der Vorschläge der Regionen hat der Kanton die Standorte in den Richtplan aufgenommen.

In die von der Region ZürichseeLinth getätigten Abklärungen war auch die Standortgemeinde Eschenbach involviert. Diese bringt für das Deponieprojekt nach wie vor Verständnis auf. Zwar heisst es in einer Stellungnahme: «Natürlich würde es der Gemeinderat begrüssen, wenn eine neue Deponie nicht im eigenen Gemeindegebiet zu stehen käme.» Aber: «In der Vergangenheit profitierte Eschenbach auch von Deponien in anderen Teilen des Linthgebiets. Die Region darf also von Eschenbach eine gewisse Solidarität erwarten.»

Aufgrund der regen Bautätigkeit im Gemeindegebiet bestehe des Weiteren ohnehin ein konkretes Bedürfnis nach dem Rohstoff Kies sowie nach Deponiemöglichkeiten.

Ein Mitarbeiter der Deponie führt bei der Grubeneinfahrt eine Sichtkontrolle durch.

Welchen Nutzen hat die Natur?
Erreicht eine Deponie das vorher festgelegte Volumen, wird sie nach Abschluss der Auffüllungsarbeiten nachhaltig in die Landschaft eingebettet und aufgewertet. Schon während des Betriebes werden die abgeschlossenen Gebiete laufend der Natur beziehungsweise der Land- und Forstwirtschaft zurückgeführt. Das Waldgesetz verlangt zudem, dass temporär gerodete Flächen wieder aufgeforstet werden.

Über die Wiederherstellung des Ist-Zustands hinaus, verpflichtet der Bund die Betreiber zur Schaffung eines ökologischen Mehrwerts nach erfolgter Wiederauffüllung. Der zwischenzeitlich entstandene Lebensraumverlust für Flora und Fauna wird durch die getroffenen Ausgleichs- und Ersatzleistungen nicht nur kompensiert, sondern lässt auch zusätzliche Naturräume entstehen. Dadurch steigt die Biodiversität in Abbau- und Deponiearealen nachweislich.

Wie wird die Umweltverträglichkeit überprüft?
Für ein Deponieprojekt werden vorgängig umfangreiche Fachplanungsarbeiten und Abklärungen durchgeführt. Daran anschliessend wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Dabei werden die Auswirkungen des Vorhabens unter anderem auf die Luft, den Lärm, die Gewässer, den Boden und den Wald sowie auf den Verkehr aufgezeigt und beurteilt. Der Nachweis der Umweltverträglichkeit ist eine grundlegende Voraussetzung, damit ein Vorhaben überhaupt bewilligt wird.

1,3 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial und 200’000 Kubikmeter Inertstoffe: Diese Menge fällt im Kanton St. Gallen jährlich an. Das sind fast drei Kubikmeter beziehungsweise über fünf Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner. Diese Menge nimmt stetig zu. Die JMS-Gruppe leistet im Interesse des Bundes, des Kantons St. Gallen und der Region ZurichseeLinth einen wichtigen Beitrag zur fach- und umweltgerechten Entsorgung. Aus der Region, für die Region!

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